Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zur Veranstaltung carte carrière 2008, in der nun schon traditionsgemäß Studierende und Lehrende verabschiedet und neue aufgenommen bzw. begrüßt werden. Mein erster Dank gilt den in dieser Veranstaltung musizierenden Lehrenden, Frau Prof. Wollenweber, Herrn Prof. Forster sowie Frau Gassenhuber. Sie setzen die gute, uns wichtige Tradition fort, dass sich Lehrende in diesem Rahmen präsentieren.
Einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, ist in jedem Fall eine aufregende Sache. Die einen sind auf dem Weg ins Berufsleben, andere sind auf dem Weg aus dem Erwerbsleben, die einen schauen voller Hoffnung auf eine lange Zeit voraus, die anderen – so hoffe ich – voll Dankbarkeit auf eine lange Zeit zurück.
Die Hochschule für Musik Hanns Eisler will die einen prägen, die anderen haben diese Hochschule geprägt.

Es ist immer wieder ein schöner und wichtiger Moment, wenn sich junge Menschen zum Zwecke ihrer Ausbildung an uns wenden. Ihnen gilt unser Gruß und unser besonders herzliches Willkommen. Sie kommen in ein Haus, das sich unter den Hochschulen Europas – Andere sagen auch der Welt – einen guten Namen gemacht hat. Das hat zu tun mit den ausgezeichneten Lehrkräften, die Ihrerseits zum Teil herausragende Karrieren gemacht haben, in jedem Fall aber herausragende Pädagogen sind.
Es hat aber auch zu tun – und das wollen wir auch gerne zugeben –, dass sie in eine Stadt kommen, deren Kapital die Kultur ist. Dass das offizielle Berlin dies gelegentlich nicht so richtig zu würdigen scheint, macht die Aussage noch nicht falsch. Eine Stadt, deren Museen, Szenebars, Opernhäuser, Off-Theater, Kinos, Universitäten und Hochschulen nicht nur zahlreich, sondern auch weitgefächert angelegt sind, muss anregend sein für künstlerischen Diskurs. Liebe Studierende, nutzen Sie die Angebote der Stadt, begeben Sie sich in diesen Diskurs, versuchen sie nicht ewige Wahrheiten zu finden, sondern machen Sie sich auf den Weg zu sich selbst, suchen und entfalten Sie Ihre eigenen Persönlichkeiten.
Wie wichtig das Prüfen des eigenen Tuns ist, haben wir seit geraumer Zeit bei den Vorbereitungen zur Umstellung auf das duale Studiensystem, besser bekannt als Bachelor- und Mastersystem gemerkt. Die Skepsis, die sich in der Hochschullandschaft diesem System gegenüber breit macht, ist auch in unserem Hause noch zu spüren. Ich glaube, dass bessere Lehre nicht vom System oder Systemwechsel abhängt, dann hätten wir die besten Schulen der Welt, sehr wohl hängt bessere Lehre aber von den Inhalten, die vermittelt werden, ab. Deshalb war es gut, jeden Baustein unseres bisherigen Systems anzusehen, ihn umzudrehen, zu bearbeiten und dann neu wieder einzusetzen bzw. zuzuordnen, das hat eine sehr wichtige Diskussion in unserem Hause ausgelöst. Bisher blieb diese Diskussion einer Gruppe Professoren vorbehalten und wenige Verantwortliche der Verwaltung waren dabei, jetzt wird auch in der Verwaltung diese Umstellung verstehbar gemacht und umgesetzt werden müssen. Niemand macht sich Illusionen, dass das etwa reibungslos ginge. Ich möchte aber alle ermutigen, mit guten Ideen nicht zurückhaltend zu sein und Scheitern nicht nur als Niederlage zu empfinden, sondern als Zwischenschritt zum gewollten Ergebnis. Forschung und Kunst wohnt das Scheitern inne. Das Niveau, auf dem man scheitert, das sollte sich allerdings im Verlaufe der Arbeit und des Lebens erhöhen!

Ich denke und hoffe, dass das die beiden Emeriti, die wir heute verabschieden, auch so oder so ähnlich sehen. Frau Prof. Norma Sharp gehört nun seit dem 1.10.1992 der Hochschule an. Ihren Erfahrungsschatz, den sie auf den Bühnen der Welt gesammelt hat, hat sie in diesen 16 Jahren in der ihr eigenen Weise mit Vehemenz und freundlichem Nachdruck an Generationen von Studierenden weitergegeben. Sie haben es ihr stets gedankt und heute danken wir ihr für ihren Einsatz für die Studierenden und also auch für den Einsatz für unsere Hochschule.
Weit länger noch ist Prof. Michael Vogler dem Hause verbunden. Orchestermusiker, Lehrer, Prorektor sind die beruflichen Stationen seines Lebens. Im Oktober 1969 hat er mit einem Lehrauftrag begonnen, wurde 1992 zum Professor berufen und war von 2001 bis 2007 Prorektor der Hochschule für Musik Hanns Eisler. Hier wurde er zur Institution – Vogler eben.
Diese Institution hat er immer verbinden können mit der Leidenschaft, Lehrer zu sein und der zweiten Leidenschaft, anderen zu sagen, wie man denn „das Geigen“ unterrichtet. Außerdem stehen noch 17 Kammermusikkurse zum Teil mit Prof. Eberhard Feltz auf der Habenseite. Dabei immer ausgewogen argumentieren zu können, seelisch offenbar im Gleichgewicht, sachlich auf der Höhe der Entscheidungen, das hat vielen von uns Hochachtung abgenötigt. Dieses immense Wissen um Studienordnungen und Zeitabläufe ist schwer zu ersetzen.
Meine Damen und Herren, vielleicht darf ich es ein wenig salopp sagen: eine Instanz geht von Bord. Und gestatten Sie mir den etwas privaten Ton. Lieber Michael, es fällt schwer die richtigen Worte zu finden. Deshalb schlicht „Danke“.
Mit unseren Emeriti verlassen auch wieder Studierende nach erfolgreichem Studium die Hochschule. Das ist der Punkt im Leben, an dem man normalerweise Bäume ausreißt, an dem man vor Kraft strotzt, an dem man sich in der Lage wähnt, die Welt im Alleingang zu retten (was im Moment sicher nötig wäre) oder wenigstens, die Welt ein bisschen besser zu machen.
Liebe Absolventen, liebe Alumni, behalten Sie diesen Mut so lange wie irgend möglich. Es gibt immer Menschen, Gelegenheiten und Umstände, die ihnen genau diese Kreativität abgewöhnen wollen. Suchen Sie Ihrerseits Menschen, Gelegenheiten und Möglichkeiten, ihre Träume zu bewahren, um sie zum gegebenen Zeitpunkt verwirklichen zu können. Manchmal kann man diesen Zeitpunkt selber bestimmen, manchmal fällt er einem auch vor die Füße.
Liebe Frau Prof. Grütters, ob das, was Ihnen da gerade alles vor die Füße fällt, Ihre Träume sind, kann ich nicht beurteilen. Zunächst freue ich mich sehr, dass wir Sie heute in unserer Mitte begrüßen dürfen und Sie zu uns sprechen wollen. Als Mitglied des Hochschulrates sind Sie sozusagen das oberste Kontrollgremium der Hochschulleitung. Wer holt sich schon gerne die eigene Kontrolle ins Haus? Meine Damen und Herren die Hochschulleitung besteht keineswegs aus Masochisten. Die Einladung an Frau Grütters resultiert aus der Tatsache, dass wir der Meinung sind, im Hochschulrat nicht nur ein Kontrollinstrument zu haben – und die Diskussionen zeigen das auch immer wieder –, sondern dass von dieser Kontrolle auch immer wieder Ermutigung ausgeht. Es war unser Wunsch etwas über Kultur- und Bildungspolitik zu hören, auch und gerade vor dem Hintergrund, dass uns jemand etwas Positives zu dem föderalistischen System sagt, an dem man gelegentlich verzweifeln könnte.
Wettbewerb um die besten Ideen ist ein wirklich löbliches Ziel, gerade des Föderalismus. Wenn man aber sieht, wer dann bestimmt, was die beste Idee ist, oder wenn man mit ansehen muss, wie eine beste Idee im Alltag zunächst zur zweitbesten gemacht und am Ende eine drittbeste herauskommt, die als erstklassig verkauft wird, dann hat man sicherlich Grund zu zweifeln. Ich sage dies im vollen Bewusstsein vor dem Hintergrund, dass es nicht die originäre Aufgabe des Künstlers ist, Kompromisse zu suchen. Der Künstler und Interpret steht für seine originäre Überzeugung ein und nicht für einen Kompromiss verschiedener Überzeugungen. Ob als Solist oder im Ensemble oder wo auch immer unsere Studierenden ihren Platz finden werden, kompromisslose Hingabe an die gestellte Aufgabe wird von allen erwartet.

Ich wünsche dem kommenden Semester einen intensiven Verlauf. Einige Veranstaltungen werfen bereits ihre Schatten voraus. Es seien stellvertretend als herausragende Ereignisse und große Herausforderungen für alle Beteiligten genannt der Dirigentenwettbewerb der deutschen Musikhochschulen, ein Ereignis, bei dem wir neben unserem Orchester auch auf die Zusammenarbeit mit dem Konzerthaus und seinem Orchester sowie dessen Chefdirigenten Lothar Zagrosek zurückgreifen dürfen. Ihnen allen sage ich herzlichen Dank und weiß, dass dieser Einsatz keine Selbstverständlichkeit ist.
Das nächste wichtige Ereignis ist das Konzert des Hochschulsinfonieorchesters, das unser Ehrensenator Sir Simon Rattle dankenswerter Weise dirigieren wird, bei dem als Gast Frau Magdalena Kožená singen wird. Ein Glücksfall für unsere Hochschule!
Und genannt sei auch der Quasthoff-Liedwettbewerb, dessen Jury das Who is Who der sängerischen Weltklasse aufweist und der mit unserem Namen verbunden von Sponsoren ausgerichtet wird.
Ich hoffe, es wird noch unterrichtet, dazu sind wir schließlich da, aber ich will nicht verhehlen, dass die Leitung – und ich hoffe alle Mitglieder des Hauses – froh und dankbar sind, dass so eine Fülle an hochklassigen Veranstaltungen möglich ist, wie wir sie derzeit haben.
Erarbeitet werden müssen und sollen diese Highlights allerdings in des Tages Mühen. Ich möchte an dieser Stelle allen, die damit beschäftigt sind, Lehrenden, Studierenden, Verwaltenden, Veröffentlichenden, Kontrollierenden und Bewachenden, sehr herzlich danken. Im Anschluss an diese Veranstaltung bitte ich Sie zu einem kleinen Empfang.
Und nun bitte ich Frau Grütters das Wort zu nehmen.