Raphaëlle Aoun erhält den DAAD Preis 2026

Raphaëlle Aoun © Maitê Fonseca

Die libanesische Kompositionsstudentin Raphaëlle Aoun erhält den diesjährigen DAAD Preis der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Raphaëlle Aoun ist 22 Jahre alt und studiert an der Eisler im Bachelor bei Prof. Samir Odeh-Tamimi. Einige ihrer Werke gelangten bereits durch renommierte Ensembles und Solist*innen zur Uraufführung. Über ihr künstlerisches Engagement hinaus pflegt sie vielseitige Interessen und setzt sich aktiv für soziale Vielfalt und Dialog ein.

„Meine kompositorische Arbeit beschäftigt sich intensiv mit Fragen von Identität sowie mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen. (…) Ich verstehe meine künstlerische Praxis als eine Brückenfunktion zwischen einem oft eurozentrisch geprägten Musik- und Kulturbetrieb und nicht-europäischen Perspektiven,“ sagt die Komponistin. Sie will dabei bestehende Stereotype ästhetischer und gesellschaftlicher Diskurse hinterfragen und sichtbar machen. 

Arabische Dichtung und zeitgenössische Musik stehen im Mittelpunkt ihres aktuellen Projekts mit dem französischen Ensemble Offrandes sowie dem marokkanischen Philosophen Arafat Sadallah. Sie engagiert sich im Kollektiv des Kühlspot Social Club, das internationale Musiker*innen einlädt, um alternative Arbeits- und Denkweisen in der Musikwelt zu fördern sowie der zeitgenössischen klassischen Musik als auch der freien Improvisation und Free Jazz eine Bühne zu bieten. Im Verein Kühlspot nimmt sie zahlreiche ehrenamtliche Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit und im Veranstaltungsmanagement wahr. 

Seit Oktober 2024 studiert Raphaëlle Aoun Komposition an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Sie vertiefte ihre Kenntnisse und Fähigkeiten außerdem bei renommierten Komponist*innen wie Helmut Zapf, Marc Sabat, Carola Bauckholt, Milica Djordjević, Gordon Kampe, Oscar Bianchi, Arnulf Herrmann und anderen. An der Akademie Hamburg Contemporary 2025 setzte sie sich mit kompositorisch mit den Kürzungen im Kultur- und Musikbereich in Deutschland auseinander. 

Interkulturelle Begegnungen prägen ihr künstlerisches und gesellschaftliches Engagement in internationalen Netzwerken. Kompositionen von Raphaëlle Aoun wurden aufgeführt vom Ensemble Modern, Ensemble Musikfabrik, Ensemble LUX:NM, MotoContrario Ensemble, United Instruments of Lucilin, Art Percussion Ensemble, Celloduo Abele-Manaev und Duo Tocar u.a. Sie wurde zur Teilnahme an Festivals und Residenzen wie dem Klangwerkstatt Festival Berlin, dem Mixtur Festival, dem Rainy Days Festival, dem Young Composers Meeting 2026 und dem Residenzprogramm Precept.Concept.Percept. XIII ausgewählt. Raphaëlle Aoun wurde beim II. Internationalen Wettbewerb „Randspiele“ in Zepernick und bei „Jugend Komponiert Deutschland“ ausgezeichnet.

Der mit 1.000 Euro dotierte DAAD-Preis der Hochschule wird einmal im Jahr an internationale Studierende für herausragende künstlerische Leistungen und soziales oder interkulturelles Engagement verliehen. Die Preisverleihung soll dazu beitragen, den großen Zahlen ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen Gesichter zu geben und die gegenseitige Bereicherung durch internationalen Austausch hervorzuheben.

Raphaëlle Aoun wurde 2025/26 mit einem Deutschlandstipendium an der Eisler gefördert und erhält ab Oktober 2026 das Stipendium der Lucia-Loeser-Stiftung.