Eisler Sinfonietta
Freitag 24.04.2026 19 H , € 6,– erm. 4,– Studiosaal Charlottenstraße 55, 10117 Berlin
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Vom Wunderhorn nach Theresienstadt
Hans Krása, Viktor Ullmann, Józef Koffler, Gustav Mahler und Arnold Schönberg, noch in Österreich-Ungarn geboren, spiegeln in ihren Klangwelten und Lebenswegen die tiefen Brüche des 20. Jahrhunderts wider. Sie reichen von den Mahler-Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“, mit Texten deutscher Lyrik, bis hin zum liebes- und lebenssüchtigen Tanz auf dem Vulkan der ausklingenden, goldenen 1920er Jahre auf dem Weg in den Faschismus. Józef Kofflers Musiktheater „Alles durch M.O.W.“ (1932), eine Partnervermittlung im Kaffeehaus, wurde erst 2025 auf Betreiben des Komponisten Johannes Schöllhorn uraufgeführt, der den Klavierauszug des Lemberger Kompositionsprofessors orchestriert hat.
Die fünf Komponisten jüdischer Herkunft waren bereits vor 1933 antisemitischer Diffamierung ausgesetzt, ihre Werke wurden im Dritten Reich verboten. Nach zweijähriger unmenschlicher Lagerhaft in Theresienstadt wurden Krása und Ullmann 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet, Koffler wurde mit seiner Familie im südostpolnischen Krościenko Wyżne von der Gestapo umgebracht. Ihre Werke sind zu großen Teilen heute verschollen und werden nach wie vor nur selten aufgeführt. Arnold Schönberg emigrierte 1933 in die USA, sein siebenminütiges Melodram „Ein Überlebender aus Warschau“ von 1947 über die Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto zählt zu den eindrucksvollsten Werken über den Holocaust.
Gustav Mahler 1860–1911
Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“
nach Gedichten von Achim von Arnim und Clemens Brentano
für Singstimme und Kammerensemble (Arr. Klaus Simon)
Der SchildwacheNachtlied Darius Herrmann Bariton
Das irdische Leben Haneul Jo Mezzosopran
Lied des Verfolgten im Turm Darius Herrmann Bariton
Viktor Ullmann 1898–1944
6 Lieder nach Gedichten von Albert Steffen op. 17
für Sopran und Kammerensemble (Orch. Geert van Keulen)
An Himmelfahrt
Drei Blumen
Dreierlei Schutzgeister
Es schleppt mein Schuh sich schwer im Schnee
Wie ist die Nacht so weich und warm
Aus dem Häuschen in den Garten
Hannah Schmidt-Ott Sopran
Józef Koffler 1896–1944
M.O.W.-Suite (UA)
aus dem Musiktheater „Alles durch M.O.W“ op. 15 (Orch. Johannes Schöllhorn)
Einleitung, Choral und Jazz
Chanson
Pantomime
Intermezzo
Große Orchesterfuge
Finale
– PAUSE –
Gustav Mahler 1860–1911
Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“
nach Gedichten von Achim von Arnim und Clemens Brentano
für Singstimme und Kammerensemble (Arr. Klaus Simon)
Wo die schönen Trompeten blasen
Haneul Jo Mezzosopran
Hans Krása 1899–1944
Symphonie für kleines Orchester und Alt-Solo
nach Gedichten von Arthur Rimbaud
Pastorale
Marsch
Die Läusesucherinnen
Haneul Jo Mezzosopran
Gustav Mahler 1860–1911
Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“
nach Gedichten von Achim von Arnim und Clemens Brentano
Der Tamboursg'sell
Urlicht
Natalia Okoneshnikova Mezzosopran
Arnold Schönberg 1874–1951
„Ein Überlebender aus Warschau“ op. 46
Melodram für Sprechstimme, chor und Orchester
Haneul Jo Mezzosopran, Natalia Okoneshnikova Mezzosopran, Darius Herrmann Bariton, Hannah Schmidt-Ott Sopran, Oukai Liu Tenor, Alexander Biernoth Tenor, Juri Bleibaum Bass
Ruth Macke Sprecherin
Eisler Sinfonietta
Manuel Nawri Dirigent
Ruth Macke ist Deutsch-Schweizerin, lebt in Berlin und hat zwei erwachsene Kinder. Sie ist eine vielseitige Sprecherin und Schauspielerin, die anspruchsvolle Texte und experimentelle Formate besonders schätzt. Sie fühlt sich sowohl in komödiantischen als auch in tragischen Rollen zu Hause und freut sich immer, wenn auch ihr Gesangstalent gefragt ist. Ruth Macke absolvierte ihr Schauspielstudium an der Folkwang Universität der Künste in Essen und begann ihre Laufbahn als festes Ensemble-mitglied am Staatstheater Nürnberg. Dort arbeitete sie mit Regisseur*innen wie Georg Schmiedleitner, Klaus Kusenberg, Stephanie Mohr, Titus Georgi, André Bücker und Albert Lang. Nach vier Jahren zog es sie nach Hamburg und 2007 schließlich nach Berlin. Nürnberg blieb sie aber erhalten und gastierte in vielen Stücken. 2016 kehrte sie sogar für zwei Jahre noch einmal fest ins Ensemble des Staatstheaters zurück. Als freie Schauspielerin arbeitete Ruth Macke unter anderem am Theater Osnabrück, am Theater Lübeck, an den Schauspielbühnen Stuttgart, am Theater der Altmark, am Schlossparktheater, bei den Störtebeker Festspielen, am Theater Konstanz und an der Deutschen Oper Berlin. Es entstanden Arbeiten mit Bernadette Sonnenbichler, Anne Bader, Schirin Kohadadian, Frank Behnke, Sarah Kohrs, Philip Tiedemann, Louis Villinger und Maike Bouschen.
In der Uraufführung von „Sensor“ unter der Regie von Verena Stoiber traf sie auf Manuel Nawri, der von da an mehrere Projekte mit ihr realisierte. Darüber hinaus ist Ruth Macke Sprecherin für Audioguides, Werbung und diverse Doku-Reihen auf ARD, ZDF, ARTE und 3Sat. Als Stimme der Titelrolle in der Animationsserie „Trudes Tier“ ist sie auch dem jüngsten Publikum bekannt. An der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin war sie bereits als Sprecherin in „Der Vorhang geht auf“ und „Kassandra“ zu erleben.
Manuel Nawri wurde in Überlingen geboren. Er absolvierte sein Studium an den Musikhochschulen in Freiburg und Odessa. Darüber hinaus war er Stipendiat an der Internationalen Ensemble Modern Akademie sowie beim Tanglewood Music Festival und assistierte Péter Eötvös bei den Schwetzinger Festspielen, ehe seine Laufbahn als Dirigent begann.
Seither arbeitet er mit renommierten Klangkörpern wie dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Sinfonieorchestern von WDR und SWR, der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken, Stavanger Symphony Orchestra, Basel Sinfonietta und den Bochumer Symphonikern, dem Ensemble Modern, dem australischen ELISION Ensemble und dem Hong Kong New Music Ensemble. Weiterhin leitet er Opernaufführungen an der Deutschen Oper Berlin, dem Theater Essen, dem Schauspielhaus Frankfurt, dem National Taichung Theater sowie freie Produktionen in Melbourne, Brisbane, Moskau, Hong Kong, Basel und Paris. Manuel Nawri war musikalischer Leiter der „Neuen Szenen“ an der Deutschen Oper Berlin.
Er ist Gast bei Festivals wie der Salzburg Biennale, dem Warschauer Herbst, dem Festival d'automne à Paris, dem ECLAT Festival Neue Musik Stuttgart, dem Israel Festival, dem Melbourne International Arts Festival und dem Tchechow-Festival Moskau. Seine umfangreiche Diskographie umfasst CD-Aufnahmen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem WDR Sinfonieorchester, Ensemble Musikfabrik und Ensemble Modern.
Seine Erfahrung gibt er in Projekten mit Landes- und Bundesjugendorchestern sowie seit 2018 an der Hochschule für Musik Saar in Saarbrücken an den musikalischen Nachwuchs weiter. Bereits seit 2008 lehrt er als Gastprofessor an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin und wurde zum Beginn des Wintersemesters 2025/2026 als Professor für Ensembleleitung und Neue Musik berufen, wo er nun seine Arbeit mit dem Echo Ensemble, der Eisler Sinfonietta sowie in Repertoireproben mit den Bläser*innen fortsetzt.
Eisler Sinfonietta
Das 2018 gegründete Ensemble „Eisler Sinfonietta“ vereint herausragende Studierende der Hochschule und widmet sich u.a. sinfonischem Repertoire in Bearbeitungen für Kammerensemble. Künstlerischer Leiter ist Prof. Manuel Nawri.
Besetzung
Marc Monfort Tena, Yedam Kim, Lili Bereczki Flöte
Soohyun Jee, İlayda Afşar, Franz Hartmann Oboe
Peleg Wagner, Anton Li, Xiaomei Jin, Noam Avidor Fuchs Klarinette
Yebin Hong, Axel Kölschbach Ortego Fagott
Taekchan Jeong, Ziming Ren, Bastian Spier, Rafael Hawthorne Horn
Luis Benno Cremer, Karl Reimand, Jorge Rodríguez Semedo Trompete
Alberto Poggialini Pérez, Emma-Lisa Björeman, Daniele Filippazzo Posaune
I-Hsun Lee Tuba
Linus Demmig, Evan Xiao Biao Li, Jianing Li, Jonas Neumann, Max Peters Schlagzeug
Isabelle Low, Pinja Zenk Harfe
Yuhan Liu Klavier
Yueyue Gu Celesta
Sanja Mlinarič Akkordeon
Lilia Pocitari, Jakow Pavlenko, Sze Wing Poon, Nakyung Kang, Haewon Lim, Henry Quan Violine
Shuhan Xu, Junkyung Kang Viola
Paulina Dabels, Yasen Wang Violoncello
Kenneth Kyunghwan Lee, Yicen Meng Kontrabass

© Janine Escher