Geschichte der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin

Die Geschichte der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin ist eng verbunden mit der politischen Situation und Entwicklung Berlins. Die Eröffnung der Hochschule war 1950 wesentlich politisch motiviert. Nach der Gründung der DDR befanden sich die einzige Musikhochschule Berlins und alle Konservatorien im Westteil der Stadt. So beschloss 1949 das Ministerium für Volksbildung die Einrichtung einer neuen Musikhochschule für den Ostteil der Stadt. Diese wurde am 1.10.1950 in der Wilhelmstraße unter dem Namen "Deutsche Hochschule für Musik" gegründet.

Gründungsrektor war der Musikwissenschaftler Professor Dr. Georg Knepler. Das erste Professorenkollegium vereinigte namhafte Künstler, Wissenschaftler und Pädagogen wie Rudolf Wagner-Régeny und Hanns Eisler (Komposition), Helmut Koch (Dirigieren), Helma Prechter und Arno Schellenberg (Gesang), Carl Adolf Martienssen und Grete Herwig (Klavier), Bernhard Günther (Violoncello), Werner Buchholz (Viola), Ewald Koch (Klarinette), Wilhelm Martens und Gustav Havemann (Violine), letzterer mit einer schwierigen politischen Vergangenheit in der Zeit des Nationalsozialismus.
Weitere RektorInnen waren
Eberhard Rebling (1959-1971), Dieter Zechlin (1971-1982), Olaf Koch (1982-1986), Erhard Ragwitz (1986-1989), Ruth Zechlin (1990), Annerose Schmidt (1990-1995), Christoph Poppen (1995-2000), Christhard Gössling (2000-2008), Jörg-Peter Weigle (2008-2012, von April – September 2014 komissarischer Rektor) und Stefan Willich (2012–2014). Von September 2014 – Mai 2015 nahm Prof. Birgitta Wollenweber die Aufgaben des Rektors kommissarisch wahr. Seit Oktober 2015 ist Professor Robert Ehrlich Rektor der Hochschule.

Königl. Marstall und Schlossbrunnen
Marstall Saal

Zeitgleich mit der Gründung der Hochschule wurde am 1.9.1950 die "Berufsvollschule für Musik" eröffnet. Grundlage dieser Gründung war die Einsicht in die Notwendigkeit der musikalischen Nachwuchsförderung und die damit einhergehende sinnvolle Korrelation zweier Institutionen.

Im Jahr 1955 wurde der Studiengang Regie eingeführt, womit die Hochschule als eine der ersten in Europa eine Hochschulausbildung in der Opern- und Musiktheaterregie anbot.

Seit 1964 trägt die Hochschule ihren jetzigen Namen Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.

1965 entstand aus der früheren „Berufsvollschule für Musik“ die "Spezialschule für Musik", die im Sinne intensiv-konstruktiver Förderung des Nachwuchses direkt der Hochschule für Musik Hanns Eisler zugeordnet wurde. 1991 wurde sie erneut umbenannt und läuft heute unter dem Namen „Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach“.

Im Zuge der Wiedervereinigung wurde die Hochschule durch das Land Berlin übernommen. Sie zählt heute zu den staatlichen Hochschulen des Landes Berlin und ist der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft unterstellt.

Im Jahr 2002 wurde das Kurt-Singer-Institut für Musikphysiologie und Musikergesundheit gegründet. 2003 folgte die Neustrukturierung von klangzeitort, dem Institut für Neue Musik, sowie 2005 die Gründung des Jazz-Instituts Berlin (JIB). Alle drei Einrichtungen bestehen in enger Kooperation mit der Universität der Künste Berlin.

Zusätzlich zum Hauptgebäude am Gendarmenmarkt wurde im Jahr 2005 mit dem Neuen Marstall ein weiterer Standort für die Hochschule eröffnet. Dieser befindet sich in ebenfalls prominenter Lage am Schloßplatz nahe der Museumsinsel Berlin.

Zu Hanns Eisler

Hanns Eisler wurde am 6. Juli 1898 als Sohn des Philosophen Rudolph Eisler in Leipzig geboren und siedelte noch als Kind nach Wien über, wo ihn Arnold Schönberg von 1918 bis 1923 in Komposition unterrichtete. Schon in jungen Jahren schlug er einen eigenen Weg „zwischen rebellischer Tücke und jäher Zartheit“ (Adorno) ein: Mit seinen Kompositionen für Experimentalfilme, Radio, Arbeiterchöre, Theater und Kabarett durchbrach er die Beschränkung auf traditionelle Musikgattungen und traf auch außerhalb der Konzertsäle auf eine breite Resonanz.

Hanns Eisler

Sein literarisches Feingefühl prädestinierte ihn für die ab 1930 beginnende Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht, die bis zu Brechts Tod im Jahr 1956 anhalten sollte. Aus dieser Zusammenarbeit gingen große Chorwerke wie „Die Maßnahme“, Kantaten wie „Die Mutter“, Filme wie „Kuhle Wampe“ und „Hangmen also die“ sowie zahlreiche Lieder und Bühnenmusiken (beispielsweise „Schweyk im zweiten Weltkrieg“) hervor. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner kommunistischen Überzeugung musste Hanns Eisler 1933 aus Berlin fliehen.

Nach kurzfristigen Aufenthalten in verschiedenen europäischen Staaten ließ er sich ab 1938 als Professor in New York nieder. Anschließend ging er 1942 nach Los Angeles, wo er zusammen mit Adorno und Brecht an theoretischen und praktischen neuen Möglichkeiten in der Filmmusik arbeitete. In Kalifornien entstanden viele seiner wichtigsten Lieder, Orchester- und Kammermusikwerke. Im Zuge seiner Ausweisung aus den Vereinigten Staaten aufgrund seiner angeblichen ehemaligen Beziehungen zur Sowjetunion, ehrten ihn prominente amerikanische Kollegen wie Leonard Bernstein und Aaron Copland mit einem Abschiedskonzert.

1950 kehrte Hanns Eisler nach Berlin zurück und leitete ab 1951 eine Meisterklasse für Komposition an der Deutschen Akademie der Künste. Sein Enthusiasmus, in der östlichen Hälfte Deutschlands einen sozialistischen Staat aufzubauen, stieß bei der DDR-Regierung nicht auf Zustimmung. Die daraus folgende Kampagne gegen das „Faustus“-Opernprojekt lähmte seine Schaffenskraft und trieb ihn in die innere Emigration. Sein öffentliches Bekenntnis zu Arnold Schönberg stieß darüber hinaus auch auf Widerspruch. Trotz offizieller Ehrungen, die er als Komponist der Nationalhymne der DDR erhielt, wurden seine Hauptwerke in der DDR kaum aufgeführt. Hanns Eisler starb am 6. September 1962 in Ost-Berlin. Die Hochschule für Musik trägt seit 1964 seinen Namen.